Der Koffer ist immer gepackt – Warten auf eine Spenderniere

Seit mehr als 6 Jahren wartet Hans Wimmer aus Tittenkofen auf eine Spenderniere … bis jetzt vergeblich. Der Grund: Zu wenig Menschen tragen einen Organspendeausweis bei sich.

Das Telefon klingelt. Hans Wimmer zuckt kurz zusammen. Ist es der Anruf auf den er seit sechs Jahren wartet? Ist es der Anruf, der für Ihn den Beginn eines neuen Lebens bedeutet? Ist es der Anruf, in dem er erfährt, dass soeben eine passende Spenderniere eines Toten auf ihn wartet, um in seinem Körper die Arbeit seiner kaputten Nieren zu übernehmen? Leider nicht.

Rückblick: Bei einer Untersuchung im Jahr 1990 wird bei Wimmer Bluthochdruck festgestellt. Für einen 24-Jährigen Burschen doch eher außergewöhnlich. Sein Hausarzt lässt daraufhin sein Blut untersuchen. Bald ist klar: Wimmers Nieren funktionieren nicht mehr richtig. Sein damaliger Hausarzt zu Wimmer: „Das geht nicht mehr lange gut“. Sein gesundheitlicher Zustand nimmt kontinuierlich ab. Bis 2002 kann er noch den elterlichen Hof bewirtschaftet, dann wird ihm das aber zu viel: Er kann die Landwirtschaft nicht weiter betreiben und muss den Hof verpachten. Ein Jahr später versagen seine Nieren dann endgültig. Wimmer muss mit gerade mal 37 Jahren an die Dialyse. Seitdem muss er mehrmals die Woche für mehrere Stunden ins Freisinger Krankenhaus. Schläuche transportieren dort sein Blut in das Dialysegerät, das den Lebenssaft filtert und wieder in seinen Körper zurückpumpt. Ohne diese Maschine wäre er schon längst von seinem eigenen Körper vergiftet worden. Seit dieser Zeit steht Wimmer auch auf einer Warteliste für Spendernieren, sowie Tausende andere Deutsche auch. Im Schnitt dauert es bis zu 6 Jahre, bis ein Dialysepatient eine passende Spenderniere bekommt. Der Grund: Zu wenig Leute entscheiden sich zu Lebzeiten dazu, im Todesfall ihre Organe zu spenden. Sie tragen keinen Organspendeausweis bei sich. Bei Hans Wimmer kann die Wartezeit sogar noch länger dauern, da er Blutgruppe 0 ist. Er kann also auch nur ein Niere der Blutgruppe 0 transplantiert bekommen. Alle anderen Nieren würden von seinem Körper in kürzester Zeit abgestoßen.

Wieder Top-Fit ist Franz Bauer. Vor genau 2 Jahren wurde dem heute 40-jährigen Erdinger eine Niere transplantiert. Allerdings nicht von einem Toten, sondern von seinem 33-jährigen Bruder Martin. Dank seiner Hilfe konnte sich Franz die kräftezehrende Dialyse sparen. Schon am ersten Tag nach der Transplantation spürte er, wie sich sein Gesundheitszustand Tag für Tag verbesserte. Seinem Beruf als freiberuflicher Projektingenieur kann er wieder, wie in alten Zeiten, ausüben. Mehrmals die Woche joggt er bis zu 10 Kilometer, schließlich will er auch dieses Jahr wieder am Stadtlauf teilnehmen.

Den Erdinger Stadtlauf des Trisport Erding nimmt Franz Bauer auch zum Anlass gemeinsam mit der „Hiflsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten Freising e.V.“ und vielen weiteren Helfern für Organspenden zu werben. Wie letztes Jahr schon können sich hierbei Interessierte am eigenen Stand  informieren und erhalten dort auch einen Organspendeausweise.

Persönlich hat sich Franz Bauer zum Ziel gesetzt die 10km unter 1 Stunde zu laufen. Er möchte damit seine Zeit vom letzten Jahr um mindestens 5 Minuten verbessern. Unterstützt wird er hierbei neben vielen anderen Läufern von Susi Falkenstein, Seniorenweltmeisterin von 2003 im 800m und 1500m Lauf. Hans Wimmer wird auch dabei sein, allerdings nur im Publikum, falls nicht in der Zwischenzeit doch noch sein Telefon klingelt und der ersehnte Anruf kommt.

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